Lagerkrankheiten

Verschiedene pilzliche Erreger werden unter dem Begriff der Lagerfäule zusammengefasst:


Schwarzfäule

  • Infektionsquellen: abgestorbene Blätter und Pflanzenteile; Konidienübertragung durch Wind und Regen; Pilz überdauert im Boden in Form von Dauerfruchtkörpern und Dauersporen
  • Infektion: während der Vegetation; Konidien infizieren absterbende Blütenteile bei feucht-warmen Bedingungen; Infektion auch über Lentizellen und Verletzungen („Wundparasit“)
  • Symptome: Kernhausschimmel: dunkelgraues Pilzgeflecht im Kernhaus, fest und trocken. Lagerfäule: größere, schwarze und verkorkte Faulstellen; nur oberflächlich, dringen nicht tief ins Fruchtfleisch ein; häufig sind primäre Verletzungen (z. B. Einstiche und Druckstellen) noch zu erkennen
  • Anfällige Sorten: alle Apfelsorten
  • Gegenmaßnahmen: Fungizidspritzungen während der Blüte gegen Kernhausschimmel; Lagerfäulen werden reduziert durch sorgsamen Umgang bei Ernte und Aufbereitung / Sortierung der Äpfel

Monilia-Fruchtfäule

Weit verbreitet, schwere Schäden und Ausfälle sind möglich; betroffen sind vor allem Obstsorten, die zur Bildung von Fruchtrissen neigen.

  • Erreger: Monilia fructigena
  • Infektionsquellen: Fruchtmumien am Boden oder am Baum, faulende Früchte im Lager
  • Infektion: Konidienbildung ab Ende Mai auf den Fruchtmumien, diese infizieren die Äpfel über Verletzungen (feine Schalenrisse, Schorfrisse, Stich- und Fraßstellen, Hagel); Wundparasit. Pilz kann direkt von einer kranken auf eine benachbarte gesunde Frucht übergehen; Ansteckungsgefahr am Baum und im Lager
  • Symptome: es gibt zwei Erscheinungsformen:
    1. Monilia Braunfäule am Baum
    Braune Fäulnis mit konzentrischen weißen Kreisen aus Sporenpolstern um die Eintrittsstelle, braunes Fruchtfleisch; oft schon bei unreifen Äpfeln; bleiben häufig als Fruchtmumien am Baum hängen
    2. Monilia Schwarzfäule im Lager
    Tritt schon bald nach der Einlagerung auf: glänzend braun bis kohlschwarze Früchte mit braunem Fruchtfleisch, lederartig, zäh, sehr trocken; die weiß-grauen Sporenlager erscheinen erst sehr spät oder überhaupt nicht; befallene, nebeneinanderliegende Früchte kleben häufig zusammen; Zellwände werden nur teilweise abgebaut, Früchte bleiben auch nach dem Befall fest. Dunkelheit, niedrige Temperaturen und geringe Luftfeuchte, also die typischen Lagerbedingungen, fördern die Schwarzfäule
  • Anfällige Sorten: Cox-Orange, Elstar, Gloster, Golden Delicious
  • Gegenmaßnahmen: Faulende Früchte und Fruchtmumien konsequent entfernen und vernichten und die Entstehung von Fruchtverletzungen vermeiden.

Botrytis-Graufäule

Die Botrytis-Fruchtfäule kann große Verluste bringen; sie ist vor allem bei Birnen von Bedeutung.

  • Erreger: Botrytis cinerea
  • Infektionsquellen: Pilz überlebt in Form von Dauerfruchtkörpern (Sklerotien) im Boden und an Pflanzenresten (faulende Früchte)
  • Infektion: Infektionszeitraum erstreckt sich vom Blühende (feucht, windig) bis zum Ende der Lagerung; Pilz (Konidienform) dringt durch intakte Fruchtoberfläche, häufig auch über Wunden, in die Frucht ein; Sporen werden durch Wasser, Verpackungen und Luft verbreitet; befallene Früchte infizieren schnell benachbarte Früchte, es entstehen Fäulnisnester; Ansteckungsgefahr; Fäulnis kann sich sogar bei -1 °C weiter ausbreiten
  • Symptome: es gibt verschiedene Erscheinungsformen:
    1. Kelchgrubenfäule
    Leichte Rötung der Schale in der Kelchgrubenregion, später erscheint eine trockene, braunschwarze Läsion um den Kelch; kann sich zur weichen Braunfäule entwickeln und rasch die ganze Frucht zersetzen
    2. Lagerfäule
    Hellbraun verfaulte Frucht mit bräunlichen Verfärbungen um die Lentizellen, es entwickeln sich typische graue watteartige Sporenrasen, meist vom Stiel oder Kelch ausgehend; Fruchtfleisch ist weich und wässrig
  • Anfällige Sorten: Golden Delicious, Gala, Elstar, Gloster
  • Gegenmaßnahmen: Im Kernobstanbau gibt es keine spezifisch wirksamen Präparate gegen Botrytis; Fungizidbehandlungen während der Vegetation vermindern den Infektionsdruck; Fruchtverletzungen als Eintrittspforten sind zu vermeiden (schonende Ernte, Stengelstiche vermeiden)

Mucor-Köpfchenschimmel

Die Mucor-Fruchtfäule tritt an Apfel und Birne auf, sie ist seltener als Penicillium und Botrytis.

  • Erreger: Mucor piriformis
  • Infektionsquellen: Pilzreste an Kisten, vom Feld ins Lager eingetragene Erde
  • Infektion: Bodenpilz; über Wunden bei der Ernte und der Verarbeitung / Sortierung, meist von der Stielgrube ausgehend; Verbreitung durch Regen, Insekten, Vögel, nicht durch Wind;Früchte sind in den letzten Wochen vor der Ernte am anfälligsten; spät geerntete und überreife Früchte sind empfindlicher (Erntezeitpunkt!); ansteckend
  • Symptome: braun bis glasige Äpfel; infolge Gärprozess aufgeblähte Äpfel mit gespannter Fruchthaut, platzt bei geringstem Druck; starker Saftaustritt (wässrig, matschig) infolge Zersetzung der Zellwände; charakteristisches Erkennungsmerkmal im fortgeschrittenen Stadium: weißer Pilzrasen mit kleinen schwarzen Sporenbehältern
  • Anfällige Sorten: Golden Delicious, Gloster, Elstar
  • Gegenmaßnahmen: Hygiene bei Ernte und Sortierung, die Weiterverbreitung der Sporen wird dadurch gehemmt; Ernte bei trockenem Wetter; Fallobst aufsammeln

Gloeosporium-Fruchtfäule

Die Lentizellenfäule gehört zu den wichtigsten Lagerfäulen im heimischen Apfelanbau. Sie wird durch drei Arten der Gattung Gloeosporium verursacht, es sind G. album, G. perennans und G. fructigenum. Die Symptome treten erst spät im Lager auf: mehrere rundliche, 2 - 3 cm große, braune Faulstellen. Die Infektion der Lentizellen (Lentizellenfäule) erfolgt bereits in den Anlagen und ist während der gesamten Fruchtwachstumsperiode möglich.

Hohe Luftfeuchte und lange Blattnasszeiten fördern die Infektion. Nach nassen Sommern kommt es daher nicht selten zu erheblichen Verlusten im Lager. Die Symptome zeigen sich im Kühllager erst ab Januar, wenn die Früchte ein bestimmtes Reifestadium erreicht haben. Es gilt: Je länger die Lagerdauer, desto höher das Befallsrisiko. Die Lagerung unter CA- bzw. ULO-Bedingungen verzögern das Auftreten.

Symptome

Ausreifende Früchte zeigen zunächst dunkel gefärbte Lentizellen. Die eigentlichen Fruchtfäulen treten erst später im Lager nach einer charakteristischen Ruhephase auf. Um die Lentizellen bilden sich runde, leicht eingesunkene, braune Flecken. Diese sind fest und trocken und reichen kegelförmig ins Fruchtfleisch. Die Flecken sind meist nur 2 - 3 cm groß und können sehr zahlreich auf einer Frucht auftreten, ein völliges Durchfaulen des gesamten Apfels unterbleibt aber. Je nach Art entwickeln sich auf den Faulstellen unterschiedlich gefärbte Sporenlager. G. alba zeigt langsam wachsende kreisrunde, feste und hellbraune Faulstellen. Unter feuchten Bedingungen bilden sich weiß bis rosafarbene Sporenbehälter. Triebe befällt diese Art nur selten, die Nekrosen reichen dann nur bis zur Kambiumschicht.

Bei G. perennans ist die Faulstelle hell bis orangebraun gefärbt mit einer dunklen Grauzone an Rand. Es werden graue bis gelbweiße Sporenlager gebildet. Diese Art infiziert auch die Triebe, es kommt zu flachen Rindenbrandstellen, welche sich meist in Längsrichtung ausdehnen. Im Zentrum werden weißliche Sporenlager gebildet, deren Konidien führen dann zu Fruchtinfektionen.

Die dritte Art, G. fructigenum, verursacht dunkelbraune, oft schwarzfleckige Faulstellen mit hell bis rot gefärbten Sporenlagern. Bisher wurde sie nur als Fruchtfäuleerreger nachgewiesen. Die genaue Unterscheidung erfolgt anhand einer mikroskopischen Untersuchung der Sporen.

Biologie

Die Erreger überwintern auf lebendem und totem Holz, Fruchtmumien, Fallobst und Blattnarben. Von dort aus gelangen die Konidien mittels Wasser in Lentizellen und Verletzungen der Fruchtschale. Sie verharren dort längere Zeit in einem Ruhezustand ohne merkbare Schädigungen hervorzurufen. Erst in der späten Lagerphase, wenn die Früchte einen bestimmten Reifegrad erreicht haben, keimen die Konidien aus und es kommt zu den typischen Symptomen der Fruchtfäule. Die Infektion findet also bereits in der Anlage statt, sie ist während der gesamten Entwicklung der Früchte möglich. Feuchte Witterung während der Wachstumsperiode und Herbstnebel erhöhen den Infektionsdruck. Im Lager wird die Ansteckungsgefahr als gering eingestuft, da die Konidien unbedingt Wasser als Transportmittel benötigen. Die Ascosporen haben bei der Infektion keine Bedeutung.

Vorbeugende Maßnahmen

Infektionsquellen wie Fruchtmumien oder krankes Holz sollten generell von den Bäumen entfernt und möglichst aus der Anlage gebracht werden. Alternativ hilft auch das Mulchen der Fahrgasse, dies fördert die mikrobielle Zersetzung des infizierten Materials. In gefährdeten Anlagen sollte das Mulchen vorzugsweise bei trockener Witterung geschehen, da Schmutzspritzer gefährliche Infektionsquellen darstellen. Lentizellen sind natürliche Eintrittspforten für die Gloeosporium-Erreger. Sorten mit großen Lentizellen wie Pinova, Topaz, Rubinette, Golden Delicious und Goldrush sind daher stärker gefährdet.

Fruchtverletzungen als weitere Eintrittspforten sollten vermieden werden. Der Erntezeitpunkt, die Lage des Apfels am Baum, die Fruchtausfärbung und die Inhaltsstoffe (Phenolgehalt und Ca-Versorgung) stehen in enger Verbindung mit dem Gloeosporium-Aufkommen. So senken Kalziumspritzungen gegen Stippe das Fruchtfäulerisiko. Gut ausgefärbte, außen hängende Früchte werden weniger stark befallen als schwach ausgefärbte Früchte vom Kroneninneren. Ein lockerer Baumaufbau sollte beim Schnitt das Ziel sein. Äpfel von älteren Bäumen sind zudem stärker betroffen als die von Jungbäumen. Durch Kühlung wird das Einsetzen der Fäulnis gehemmt, im Laufe der Zeit verliert das Fruchtgewebe jedoch seine Resistenz, Fäulnis kann somit nicht verhindert werden.

Bekämpfung

In der Sekundärsaison des Schorfpilzes sollten immer wieder Schorfmittel mit einer Nebenwirkung auf Fruchtfäulen eingesetzt werden. Dies senkt den Infektionsdruck. Für die eigentlichen Lagerspritzungen stehen dem Integrierten Anbau verschiedene Mittel zur Verfügung. Bei der Auswahl der Präparate sollte das jeweilige Wirkungsspektrum der Pilze und die angegebene Wartezeit berücksichtigt werden. Nach einem Hagelereignis werden generell Lagerspritzungen empfohlen. Im Bio-Anbau kommt in den letzten Jahren vermehrt das Heißwassertauchverfahren zum Einsatz. Die Äpfel werden dabei direkt nach der Ernte für etwa 2 Minuten in 52 °C warmes Wasser getaucht und anschließend eingelagert. Der Befall an Gloeosporium kann hierdurch deutlich gesenkt werden. Nicht alle Sorten eignen sich für dieses Verfahren (Verbräunung der Fruchtschale).


Penicillium-Fruchtfäule

Tritt nur als Lagerfäule auf und dann häufig als Sekundärerreger auf Gloeosporium-, Mucor- oder Phytophthora-Infektionsstellen. Die Pilz entwickelt ein wärmeresistentes Toxin (Patulin); genaue Qualitätskontrolle bei der Weiterverarbeitung erforderlich.

  • Erreger: Verschiedene Penicillium-Arten, hauptsächlich P. expansum
  • Infektionsquellen: Reste faulender Früchte
  • Infektion: meist bei der Ernte und Aufbereitung über Wunden in Folge grober Handhabung; Wundparasit; des weiteren über Lentizellen im Bereich von Druckstellen; Infektion ist bereits bei 0 °C möglich; Pilz befällt benachbarte gesunde Früchte; ansteckend, Befallsnester
  • Symptome: zunächst weiche, wässrige braune Flecken, welche sich bei Zimmertemperatur schnell vergrößern; später, von Zentrum ausgehend, weiße, dann grünlich-blaue Pilzsporen; bildet im Gegensatz zu Gloeosporium meist nur einen und helleren Faulfleck an einer Frucht; Faulstellen fallen ein (Zersetzung des Fruchtfleisches); Saftaustritt bei fortgeschrittener Fäulnis (wässrig, matschig); randscharfe Abgrenzung zwischen weichfaulem Fruchtfleisch und gesundem Gewebe, Bereiche lassen sich leicht voneinander trennen
  • Anfällige Sorten: Golden Delicious, Jonagold, Gala, Elstar, Gloster
  • Gegenmaßnahmen: schonende Ernte und Aufbereitung (keine zusätzlichen Eintrittspforten schaffen); Kühllagerbedingungen verzögern Krankheitsentwicklung; faulende Früchte vor Ausbildung der Sporenlager vernichten; übliche Abschlußspritzungen zeigen keine ausreichende Wirkung.